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Schweine haben es nicht leicht

Basel, 3. Oktober 2017
Medienmitteilung Schweizer Tierschutz STS

Ungenügende Tierwohl-Förderung, wenig Ertrag für die Tierhalter und das Kaufverhalten schlecht informierter Konsumenten führen in der Schweinehaltung zu einer bedenklichen Tendenz: Vom tierfreundlichen Labelbetrieb zurück in den konventionellen Maststall. Der Schweizer Tierschutz STS hat ein Massnahmenpaket erarbeitet um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Schweine sind neugierig, umtriebig und intelligent. Auf vielen Bauernbetrieben leben sie unter Bedingungen, die von einer tierfreundlichen Nutztierhaltung weit entfernt sind. Gleichzeitig werden die gesetzlichen Anforderungen an die Schweinehaltung von weiten Teilen der Bevölkerung erheblich überschätzt. In der irrigen Annahme, alle Sauen lebten glücklich in Ställen mit viel Einstreu und Auslauf, wird ohne schlechtes Gewissen günstiges Fleisch von konventionell wirtschaftenden Betrieben gekauft.

Billigste Haltungsbedingungen

Immer weniger Schweine haben Auslauf. Auf den Landwirtschaftsbetrieben ist der Anteil von 58% im Jahr 2010 auf heute 50% gesunken – dies als direkte Folge der ungenügenden Tierwohl-Förderung des Bundes. Weil der bäuerliche Mehraufwand für eine tierfreundliche Auslaufhaltung nicht korrekt entschädigt wird, wird bei Neu- und Umbauten in konventionelle Ställe investiert.

Erst recht nur träumen von frischer Luft, einem Bett aus Stroh und Auslauf kann die überwiegende Mehrheit jener Sauen, die von bodenunabhängigen, gewerblichen Käsereibetrieben gemästet werden. Hier werden zur Verwertung anfallender Nebenprodukte schätzungsweise 500’000 Schweine gehalten. Die meisten dieser Tiere kennen nur das Leben auf einem harten, perforierten Betonboden, direkt über ihren Exkrementen.

Alarmierende Entwicklung

Während die Fleischpreise im Laden steigen, sinkt der Anteil des Bauern am Konsumentenfranken. Um trotzdem Geld mit der Schweinehaltung zu verdienen, versuchen Landwirte die Kosten zu senken. Sie vergrössern die Betriebe und züchten Tiere, die wesentlich mehr Ferkel gebären, rascher wachsen, mehr Muskelfleisch ansetzen und dabei erst noch weniger Futter verbrauchen. Solche Lösungsansätze zur Kostensenkung gehen in der Regel zulasten der Tiere.

Aus Sicht des Schweizer Tierschutz STS gilt es, den Fehlentwicklungen in der inländischen Schweinefleischproduktion vehement entgegenzutreten. Im Zentrum steht dabei die Forderung, im Gegenzug für eine artgemässe Tierhaltung, den Bauern mehr vom Konsumentenfranken zuzugestehen. Sonst ist auch hierzulande der Weg hin zu Massentierhaltung nach ausländischem Vorbild vorgespurt..

Mehr Information
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Schweinehaltung in der Schweiz – STS-Massnahmenpaket: http://bit.ly/2xTAzsA
STS-Pressedossier «Schweinehaltung in der Schweiz»

Für Rückfragen
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Dr. Hansuli Huber
Geschäftsführer Fachbereich
Schweizer Tierschutz STS
Telefon 052 338 10 74 | 076 378 60 70

Wenn sie die Wahl hätten …

Basel, 25. September 2017
Medienmitteilung Schweizer Tierschutz STS

Primaten gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen. Das macht sie zu einem wertvollen Versuchsobjekt für Forscher. Nun berät der Nationalrat eine Motion* der Grünen-Politikerin Maya Graf, in der ein schweizweites Verbot belastender Primatenversuche verlangt wird. Der Schweizer Tierschutz STS unterstützt die Forderung und spricht sich nachdrücklich für die Annahme der Motion aus.

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 198 Primaten für Tierversuche verwendet, 90 davon für belastende Versuche. In Bezug zur Gesamtzahl der für Versuche verwendeten Tiere (629’773) mag die Zahl gering sein und doch sind es zuviele. Es sind mindestens 90 zuviel. Für den Schweizer Tierschutz STS steht fest, dass ein Verbot belastender Primatenversuche ohne Schaden für Erkenntnisgewinn, Sicherheit und Gesundheit ausgesprochen werden kann und ausgesprochen werden muss.

Zweifelhafter Nutzen

Primaten sind hoch intelligente und soziale Tiere. An ihrer physischen und psychischen Leidensfähigkeit bestehen keine Zweifel. Versuche an Primaten sollen eine Grundlage sein, irgendwann Krankheiten wie Epilepsie, Alzheimer, Parkinson oder Krebs behandeln zu können. Den Durchbruch brachten Tierversuche bislang nicht. So ähnlich Affen dem Menschen auch sein mögen, die Unterschiede sind zu gross, als dass die Tierexperimente aussagekräftige, auf den Menschen übertragbare Erkenntnisse liefern würden. Stattdessen werden die Tiere als Versuchsobjekte gefangen gehalten, leiden an Medikamentennebenwirkungen, werden operiert, zur Kooperation genötigt, getötet.

Insbesondere in der staatlich subventionierten universitären Grundlagenforschung stehen einem vagen Erkenntnisgewinn oft leidvolle Experimente und eine nicht artgemässe Tierhaltung gegenüber. Das ist aus Tierschutzsicht nicht zu rechtfertigen.

Archaische Experimente

Strittig ist der Nutzen der Experimente, unstrittig ist für den STS, dass ein Verbot belastender Primatenversuche, wie es die Motion fordert, dem Forschungsstandort Schweiz keinen Schaden zufügen würde. Nicht das Festhalten an archaischen Primatenexperimenten ist zukunftsgerichtete Wissenschaftsförderung, sondern vielmehr die Erforschung und Förderung von Alternativmethoden zu Tierversuchen.

Die moderne Verhaltensforschung zeigt: Affen versuchen, leidende Artgenossen zu schützen. Dem Einsatz im Tierversuch geht ein langes Training mit vielen Entbehrungen, Ängsten und Leid voran. Die sensiblen Tiere müssen “willig” gemacht werden. Niemals würden sie sich – wie das von Forschenden gerne behauptet wird – freiwillig solchen Manipulationen aussetzen, wenn sie die Wahl hätten.

* Motion (15.4241) «Verbot von belastenden Tierversuchen an Primaten»
www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20154241

Für Rückfragen
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Dr. med.vet. Julika Fitzi
Fachstelle Tierversuche
Schweizer Tierschutz STS
Telefon 071 310 12 38 | 079 332 02 54
julika.fitzi@tierschutz.com

Medienstelle Schweizer Tierschutz STS
Telefon 079 357 32 04; media@tierschutz.com

Hefenhofen ist überall

Basel, 25. August 2017
Medienmitteilung Schweizer Tierschutz STS

Der Schweizer Tierschutz STS empfiehlt die Abkehr von flächendeckenden, angemeldeten Tierschutzkontrollen hin zu einer Risikoauswahl der zu kontrollierenden Betriebe. So könnte die Aufdeckungswahrscheinlichkeit von Tierschutzfällen in der Nutztierhaltung erhöht und mit zielgerichteten behördlichen Massnahmen viel Tierleid verhindert werden.

Der Tierhalter Ulrich K. aus Hefenhofen TG wurde in den zurückliegenden Jahren mehrfach wegen Tierquälerei verurteilt. Ein Tierhalteverbot wurde nicht durchgesetzt. Auf einem Betrieb, nur wenige Kilometer vom Hof des Ulrich K. entfernt, leben rund 60 Rinder – trotz Tierhalteverbot. Eine Tessiner Bäuerin ignorierte während Jahren ein partielles Tierhalteverbot und hielt weiterhin mehr Tiere als erlaubt. Erst als Bilder halbverhungerter und toter Kühe auf dem Hof an die Oeffentlichkeit gelangten, wurden die verbliebenen Tiere beschlagnahmt.

Wo die Medienöffentlichkeit fehlt, passiert wenig

Vollzug der (Tierschutz-)Gesetzgebung ist mehr als die Kontrolle von Vorschriften. Zum Vollzug gehört das Anordnen und das Durchsetzen von Verbesserungen bei Mängeln oder Missständen. Und das nicht erst dann, wenn Medien Missstände und Defizite thematisieren. Das Ziel muss ein besserer Tierschutzstandard sein mit einem spürbaren Rückgang von Gesetzesverstössen.
Es wird allerdings, nicht nur im Fall Hefenhofen, neben menschlichem und behördlichem Versagen auch ein Systemfehler im Gesetzesvollzug sichtbar, auf den der Schweizer Tierschutz STS seit Jahren hinweist.

Fehler im System

Jeder direktzahlungsberechtigte Hof wird regelmässig von kantonalen Kontrollorganen überprüft. Die meisten staatlichen Kontrollen finden auf Voranmeldung statt. Die Leistung der Arbeit der Kontrollorgane wird an der Anzahl der Kontrollen gemessen. Die flächendeckend durchgeführten Kontrollen binden grosse personelle Ressourcen, die in der Folge fehlen bei der Bearbeitung gravierender Fälle. «Wir brauchen keine strengeren Gesetze und keine strengeren Kontrollen aber wir brauchen mehr unangemeldete, risikobasierte Tierschutzkontrollen», sagt Hansuli Huber, Geschäftsführer Fachbereich Schweizer Tierschutz STS.

Risikobasierte Anlasskontrollen

Der STS plädiert dafür, jene Landwirtschaftsbetriebe, bei denen es in Sachen Tierschutz immer wieder zu Beanstandungen kommt, mit Beratung, engmaschiger Überwachung und konsequenten Sanktionen zu sanieren. Reissen alle Stricke, sind Tierhalterverbote auszusprechen.

Das Sanktionsschema bei Tierschutzverstössen im Rahmen der Direktzahlungen ist zudem zu überprüfen. Schwerwiegende Verstösse gegen die Tierschutzgesetzgebung wie etwa mangelhafte Pflege, Mangelernährung, fehlendes Wasser, starke Überbelegung oder fehlender Auslauf müssen künftig zu erheblichen Kürzungen der Direktzahlungen führen. Tierleid darf sich nicht auszahlen.

TSVRo – Jahresbericht 2016

Im Sinne der Transparenz veröffentlicht der Tierschutzverein Rorschach und Umgebung ihre Jahresberichte. Die Mitglieder erhalten diese jeweils in Papierform (neu Ausgabe 2016) per Post zugestellt.

Hier nun auch die digitale Version von 2016 als .pdf zum anschauen bzw. für ihre mobilen Geräte unterwegs:

Jahresbericht 2016 (.pdf)

Kleine Tiere, grosse Ansprüche

Wer sich für Nager, Kaninchen, Reptilien oder Vögel als Haustiere entscheidet, der muss sich auch dafür entscheiden, den kleinen Tieren einen grossen und tiergerechten Lebensraum einzurichten. Damit tiergerechte Kleintierhaltung zur Regel wird, lancieren der Schweizer Tierschutz STS und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV eine gemeinsame Informationskampagne.

Die Haltung vieler Heimtiere – insbesondere von Kleinnagern, Kaninchen, Vögeln und Reptilien – spielt sich im Privaten, hinter verschlossenen Türen ab. So manche Missstände in der privaten Heimtierhaltung dürften unentdeckt bleiben, denn Heimtierhaltungen können aus naheliegenden Gründen nicht systematisch auf ihre Gesetzeskonformität hin überprüft werden. Einen umso höheren Stellenwert haben Sensibilisierung und Information künftiger und aktueller Tierhalter. Nur wer gut informiert ist, kann seinen Tieren tiergerechte Bedingungen bieten.

Fehler vermeiden

Damit sich Kleintiere wohlfühlen und sich ihrer Art entsprechend verhalten können, brauchen sie ein passendes Gehege. Und: Tiergerechte Gehege sind gross und bieten Beschäftigung und Rückzugsmöglichkeiten. Noch immer aber leben viele Nager, Vögel und Reptilien ein Leben in viel zu kleinen, ungenügend eingerichteten oder gar in gesetzeswidrigen Käfigen oder Terrarien.

Eine entscheidende Rolle bei der Wissensvermittlung im Heimtierbereich spielen Zoofachgeschäfte. Hier kaufen Heimtierhalter Gehege, Futter, Tiere und Zubehör und hier lassen sie sich beraten. Umso wichtiger, dass die Fachgeschäfte sowohl bezüglich Verkaufsangebot, Haltung lebender Tiere wie auch Kundenberatung vorbildlich und kompetent sind. Mehrmalig durchgeführte Recherchen des Schweizer Tierschutz STS haben gezeigt, dass hierbei teilweise noch Verbesserungsbedarf besteht. Durch umfassende Beratung vor dem Tierkauf und dem Kauf eines Geheges könnten von vornherein viele Fehler in der Heimtierhaltung vermieden werden.

Weiter zeichnen STS-Recherchen zu Käfigangeboten im Internet ein unerfreuliches Bild, waren doch von knapp tausend überprüften Gehegen gut die Hälfte falsch oder ungenügend deklariert. Bleibt festzuhalten: Auch beim Onlinekauf von Tierbedarf soll der Kunde über das für seine Tiere adäquate und gesetzeskonforme Gehege informiert werden.

Das passende Gehege

Im Rahmen ihrer gemeinsamen Bemühungen um eine bessere Sensibilisierung angehender TierhalterInnen erarbeiteten das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV und der Schweizer Tierschutz STS drei Broschüren über tiergerechte Gehege für Nager und Kaninchen, für Ziervögel und für Reptilien. Darin wird praxisnah aufgezeigt, worauf künftige Heimtierhalter beim Kauf von Tiergehegen sowie bei deren Einrichtung achten müssen. Die Broschüren stehen auf der Website sowohl des BLV wie auch des STS zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Mehr Information
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Broschüren «Passende Gehege und die richtige Einrichtung» online unter
www.blv.admin.ch/publikationen
www.tierschutz.com/publikationen/heimtiere

Bildmaterial
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Bildmaterial zum Download
www.flickr.com/photos/schweizertierschutz

Für Rückfragen
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Dr. med. vet. Martina Schybli
Fachstelle Heimtiere und Tierärztliche Beratungsstelle
Schweizer Tierschutz STS
Telefon 079 195 79 72
martina.schybli @ tierschutz.com